06.05.2020 - Nachhaltige Futtermittelversorgung in der Schweiz

Projekt "Nachhaltige Futtermittelversorgung Schweiz"

Mit der gesellschaftskritischen Haltung gegenüber den Futtermittelimporten, welche v.a. von Frau Herren, Initiantin der Trinkwasserinitiative, geschürt wurden, stiegen die Erwartungen an verantwortungsvoll produzierte Futtermittelrohstoffe an. Im September 2017 sind die Vertreter der Wertschöpfungskette anlässlich einer Tagung zum Schluss gelangt, dass eine Strategie für eine «nachhaltige Nutztierfütterung Schweiz» zu erarbeiten sei. Dies vor dem Hintergrund, dass die Herkunft und die Produktionsmethoden der Futtermittel bei den Konsumenten, in der Gesellschaft und in der Politik zunehmend an Bedeutung gewinnen. Eine breit zusammengesetzte Arbeitsgruppe, in welcher die VSF ebenfalls vertreten ist, hat Ende 2017 die Erarbeitung einer Branchenstrategie an die Hand genommen.

 

Achse 1: Stärkung Inlandproduktion

Das von der Branche festgelegte Ziel, die Futterweizenfläche auf rund 20’000ha zu verdoppeln, wäre mit einer privatrechtlichen Stützungsmassnahme angegangen worden. Eine Abschöpfung auf den Produktpreisen Eier und Geflügel wurde von Migros nicht mitgetragen.

Die aktuellen Marktverhältnisse beim Brotgetreide begünstigen jedoch den Anbau von Futterweizen im Inland. Die Nachfolgelösung zum Schoggigesetz führten zu massiv höheren Marktrückbehalten auf Brotgetreide. Die preisliche Benachteiligung des Brotgetreides steigerte die Wettbewerbsfähigkeit von Futtergetreide.  Die Branche rechnet für den Anbau 2020 mit einer leichten Verlagerung vom Brotweizen- zum Futterweizenanbau. Gemäss den Saatgutverkäufen für die Ernte 2020 kann von einer Erhöhung der Futterweizenfläche zwischen 2000ha- 3000ha ausgegangen werden.

 

Achse 2: Verantwortungsvolle Importe

Im Rahmen der Mehrwertstrategie Schweizer Fleisch müssen auch die Futtermittelindustrie und damit die Importeure ein griffiges Instrumentarium zum Nachweis verantwortungsvoller Importe erarbeiten. Die Arbeiten gestalteten sich konstruktiv und dynamisch. In einer «Nachhaltigkeitsmatrix» wurden 47 Importfuttermittel erfasst und die in die Schweiz eingeführten Mengen nach Herkunft aufgeteilt. Sämtliche Futtermittel wurden so nach ihrer Nachhaltigkeit bei der Produktion im Ursprungsland beurteilt. Ein wichtiger Teil davon ist das Leuchtturmprojekt Verein Sojanetzwerk. Dank der Arbeit der gesamten Wertschöpfungskette inklusive der Umweltverbände konnten die Vorbehalte gegenüber der Sojapflanze weitgehend entkräftet werden. Für Bruchreis und Maiskleber wurden ebenfalls Konzepte zur Sicherstellung einer verantwortungsvollen Quelle erarbeitet. Maiskleber mit Provenienz China dürfte jedoch bereits mittelfristig wegen der Zulassung von GVO-Mais durch die chinesische Regierung wegfallen.

Futtergetreide sowie Ölsaaten werden hauptsächlich aus dem europäischen/osteuropäischen Raum importiert. Der Einsatz von Glyphosat zur Beschleunigung der Abreife ist je nach Herkunftsland eine gängige Praxis. Um Glyphosat-Rückständen auf den eingeführten Futtermitteln vorzubeugen haben die Mitglieder der Arbeitsgruppe verantwortungsvolle Importe den Beschluss gefasst, Gerste und Weizen ab Ernte 2021 aus einer Produktion ohne Sikkation zu beschaffen. Die Kontrollen sollen vorerst in der Verantwortung der Unternehmen im Rahmen der HACCP-Konzepte erfolgen.

Ebenso werden ab sofort für Ölsaaten, Hafer, Erbsen und Bruchreis Glyphosat-Rückstandsanalysen gemacht, um Erkenntnisse zu dessen Einsatz zu gewinnen. Mittelfristig hat der SBV das Ziel, die festgelegten Standards für kritische Import-Futtermittel in den Label-Richtlinien der Nutztierhaltung zu verankern.

 

Achse 3: Erhalt / Ausbau Alternativen

Die dritte Achse hat den Erhalt von Nebenprodukten wie Müllereinebenprodukten, Schotte, Rübenschnitzel im Nahrungskreislauf als wichtiges Ziel vor Augen. Ebenso soll die Wiederaufnahme der Verfütterung tierischer Proteine unter klaren Bedingungen kritisch geprüft werden. Neuartige, zur Ernährung oder Tierfütterung geeignete Organismen wie beispielsweise Insekten oder Algen sollen nach Möglichkeit gefördert werden. Die Arbeitsgruppe war auf dieser Achse bislang wenig aktiv.

 

nachhaltiges Soja